BildmotivAktuelles zum Thema Diabetes

Neuste Behandlungsmethoden von Diabetes mellitus

In den letzten Jahren hat sich bei der Behandlung von Diabetes einiges getan. So gibt es die Möglichkeit, das benötigte Insulin zu inhalieren oder einen Minicomputer, die so genannte "künstliche Bauchspeicheldrüse" einzusetzen. Im Folgenden werden einige dieser Entwicklungen und Behandlungsmöglichkeiten näher beschrieben.

Bauchspeicheldrüsen-Transplantation

Die Bauchspeicheldrüsen-Transplantation wird als Behandlungsmethode schon seit Längerem und mit guten Ergebnissen angewandt. Geeignet ist diese Transplantation für Menschen mit Typ 1 Diabetes. Bei dieser Erkrankungsart können die Inselzellen der Bauchspeicheldrüse nicht genügend Insulin bilden. Mit dem operativen Eingriff kann der Blutzuckerstoffwechsel von Diabetespatienten des Typ 1 zumindest vorübergehend vollständig normalisiert werden. Etwa 60 bis 70 Prozent der Patienten benötigen auch fünf Jahre nach der Transplantation keine Insulinspritzen mehr und bei einigen Patienten normalisieren sich die Blutzuckerwerte sogar über mehr als zehn Jahre. Insbesondere die Retinopathie (Augenschädigungen), als einer der gefürchteten Folgen beim Diabetes mellitus, bildet sich meist zurück und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie andere diabetesbedingte Komplikationen schreiten nach der Transplantation nicht mehr so schnell voran.

Allerdings geht die Transplantation trotz der viel versprechenden Prognosen, wie jeder operative Eingriff auch mit Risiken einher. So können zum Beispiel bei der Operation selbst erhebliche Komplikationen auftreten oder es besteht die Gefahr, dass es zur Abstoßung der Spenderorgane kommt. Um das Risiko der Abstoßung zu minimieren, müssen daher die Patienten lebenslang Medikamente einnehmen, die das Immunsystem unterdrücken, damit die körpereigene Abwehr das fremde Organ nicht abstößt. Andererseits führt aber die Unterdrückung der Immunreaktion dazu, dass sich das Infektionsrisiko erhöht. Zum anderen können diese Medikamente eventuell auch die Nieren schädigen.
Die Bauchspeicheldrüsen-Transplantation wird daher überwiegend dann in Erwägung gezogen, wenn bereits ein Nierenversagen eingetreten ist und eine regelmäßige Blutwäsche (Dialyse) erforderlich ist. In diesem Fall erhält der Patient eine Bauchspeicheldrüse in Kombination mit einer Niere von einem geeigneten Spender. Diese Transplantation wird auch als Pankreas-Nieren-Transplantation genannt.

Die Pankreas-Nieren-Transplantation wird weltweit seit mehr als 40 Jahren praktiziert. Seitdem wurde der Eingriff immer weiter perfektioniert und avanciert mittlerweile zum Routineverfahren der Transplantationschirurgie. Sie ist oft der einzige Ausweg, die Überlebenschancen zu steigern. Aufgrund der begrenzten Zahl von Spenderorganen können allerdings nur wenige Patienten von dieser Methode profitieren.

Künstliche Bauchspeicheldrüse

Die künstliche Bauchspeicheldrüse ist ein Gerät mit einem Minicomputer, das Patienten mit Diabetes mellitus in Abhängigkeit von kontinuierlichen Messungen des Blutzuckerspiegels mit Insulin versorgt. Sie simuliert damit die Funktionsweise der in der Bauchspeichdeldrüse vorkommenden Betazellen, die im Körper die Insulinproduktion und -freisetzung realisieren. Die Funktion einer künstlichen Bauchspeicheldrüse entspricht damit der natürlichen Insulinfreisetzung mehr als beispielsweise die konventionelle Insulintherapie oder die Behandlung mit Hilfe einer Insulinpumpe.
Die wesentlichen Komponenten sind ein kontinuierlich messender Glucosesensor zur Bestimmung des Blutzuckers, eine Pumpe zur gesteuerten Insulinabgabe sowie ein miniaturisierter Computer, der die Messdaten des Sensors auswertet und durch einen Algorithmus zur Simulation des Glukose-Insulin-Regelkreises die Pumpe steuert.

Bisher gibt es allerdings noch kein verlässliches System, aber es arbeiten schon viele Unternehmen an der Entwicklung geeigneter Glukosemessfühler, die im Unterhautfettgewebe die Gewebszuckerspiegel präzise und zuverlässig messen und gleichzeitig die Insulinpumpen steuern. Erste klinisch anwendbare Systeme wurden bereits erfolgreich in Studien getestet, doch es wird wohl noch Jahre dauern, bis solche Systeme breit einsetzbar sind.

Stammzellentherapie

Die Stammzellentherapie findet schon seit vielen Jahren bereits bei der Behandlung verschiedener Krebserkrankungen, wie zum Beispiel bei Leukämien, Anwendung. Mit ihrer Hilfe versuchen Forscher die körpereigene Insulinproduktion bei Diabetikern durch den Ersatz der zerstörten Zellen in der Bauchspeicheldrüse wieder herzustellen. Stammzellen sind Körperzellen, die das Potential besitzen sich zu verschiedenen, spezialisierten Zellen des Körpers, wie zum Beispiel Blutzellen, Hautzellen, Leberzellen, Zellen der Immunabwehr oder auch ganzer Organe wie den Pankreasinseln (= Zellansammlungen in der Bauchspeicheldrüse) zu entwickeln.

Bringt man geeignete Stammzellen in kranke Gewebe und Organe ein, können sich vor Ort wieder neue gesunde Zellen bilden. Diese verrichten dann ihre spezialisierten Aufgaben, zum Beispiel die Herstellung von Insulin in den Betazellen der Bauchspeicheldrüse. Der Mechanismus, wie sich diese Vorläuferzellen in andere Gewebe umwandeln, ist bisher allerdings noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass die Stammzelle vom umliegenden Gewebe so beeinflusst wird, dass sie sich zu einer Zelle mit spezialisierten Aufgaben weiterentwickelt.

Die Arbeit mit Stammzellen ist ein relativ junges Forschungsgebiet. Man erhofft sich jedoch durch den Einsatz von Stammzellen für die Zukunft neue Behandlungsmöglichkeiten bei einer Reihe von Krankheiten. Im Mittelpunkt dieser Forschungsbemühungen stehen unter anderem Diabetes mellitus, Morbus Parkinson und die Alzheimer-Erkrankung.

Eine im Jahr 2007 veröffentlichte kleine Pilotstudie zeigte erstmals auch Erfolge einer Stammzelltherapie bei Menschen, die mit eigenen Stammzellen aus dem Knochenmark behandelt
wurden. Bei 14 von 15 neu diagnostizierten Typ-1-Diabetikern schlug die Stammzelltherapie an. Sie ging aber mit erheblichen Nebenwirkungen (zum Beispiel Fieber, Lungenentzündung, schwere Muskelerkrankungen) einher, weil vor der Stammzelltransplantation eine Chemotherapie notwendig ist. In ersten Ansätzen ist es zwar gelungen, die Leistungsfähigkeit der insulinproduzierenden Zellen zu verbessern. Dennoch ist eine Heilung des Typ-1-Diabetes mithilfe einer Stammzelltherapie bisher nicht möglich. Der Weg bis zur breiten Anwendung ist noch lang. Zudem ist es notwendig, auch die möglichen Nebenwirkungen wie das Krebsrisiko besser in den Griff zu bekommen.

Immuntherapien gegen Typ-1-Diabetes

Immuntherapien sind Behandlungsformen, bei denen das Immunsystem beeinflusst wird. Sie gelten als eine weitere hoffnungsvolle Zukunftsperspektive bei der Behandlung von Typ-1-Diabetes. Ziel der Immuntherapie ist hier, das Fortschreiten der Zerstörung von Betazellen in der Bauchspeicheldrüse aufzuhalten.

Die Hauptaufgabe des Immunsystems besteht ja darin, den Körper vor dem Angriff krankheitserregender Mikroorganismen wie Bakterien, Viren und Pilze zu schützen. Bei einer Autoimmunerkrankung wie dem Typ-1-Diabetes kommt es jedoch zu einer Überreaktion des Immunsystems, mit der Folge, dass fälschlicherweise auch körpereigenes Gewebe angegriffen wird. Auf ähnliche Weise werden auch die Betazellen der Bauchspeicheldrüse angegriffen, die beim Typ-1-Diabetes zu einem fortschreitenden Untergang der insulinproduzierenden Zellen führen.

Einem deutsch-französischen Forscherteam ist es im Tierversuch nun gelungen, erfolgreich gegen einen Typ-1-Diabetes zu impfen. Die Versuche wurden bei diabetischen Mäusen durchgeführt. Ihnen wurde ein Impfstoff aus verändertem Bauchspeicheldrüsengewebe verabreicht, das von der Immunabwehr der kranken Tiere normalerweise heftig attackiert und zerstört wird. Nach Verabreichung des Impfstoffes beruhigte sich aber das Immunsystem der diabetischen Tiere. Körpereigene und körperfremde Stoffe wurden wieder richtig erkannt und das körpereigene Gewebe nicht mehr angegriffen. An der Abwehr körperfremder Stoffe (zum Beispiel Viren, Bakterien) veränderte sich hingegen nichts. Nun wird auch bei Jugendlichen und Erwachsenen, die erst seit Kurzem an Typ-1-Diabetes erkrankt sind, die Wirksamkeit der Impfung untersucht.

Zum Einsatz kommen hier die zwei verschiedene Eiweiße, die Glutamatdecarboxylase (GAD) und DiaPep277. In den bisherigen Studien führte die Impfung mit GAD zwar vorübergehend zu einer Stabilisierung der Insulinproduktion, langfristig änderte sich jedoch nichts. Die ersten Studien mit DiaPep277 verliefen bei Erwachsenen, nicht aber bei Jugendlichen erfolgreich. Derzeit laufen weitere Studien, die notwendig sind, um die Ergebnisse zu bestätigen. Bei beiden Impfsubstanzen waren keine schwerwiegenden Nebenwirkungen zu beobachten. Auch mit anderen Substanzen, die am Immunsystem ansetzen, wie zum Beispiel speziellen Antikörpern, versucht man, die Zerstörung der insulinproduzierenden Zellen zu stoppen.

Trotz einiger erster Erfolge, wird noch viel Zeit vergehen und noch eine Reihe von Untersuchungen und Studien erforderlich sein, bis man von einer langfristig, erfolgreichen Wirksamkeit der Immuntherapien bei der breiten Behandlung von Typ-1-Diabetes oder gar Heilung sprechen kann.

Quelle: Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) und DiabetesDE

 

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