BildmotivBehandlung von Diabetes mellitus

Behandlungsmethoden bei Typ 1 und Typ 2 Diabetes mellitus

Die Vermeidung von diabetesbedingten Symptomen, insbesondere das Abwenden von akuten und chronischen Komplikationen sowie von Folgeerkrankungen (z.B. Schäden am Herzen, Nieren, Augen, Füßen und Blutgefäßen) stehen im Mittelpunkt der Behandlung von Diabetes. Soweit bereits Folgeschäden aufgetreten sind, müssen diese therapiert und das Fortschreiten verhindert werden.

Die Behandlung eines Typ 1 Diabetes besteht im Ersatz des fehlenden Insulins. Der Typ 2 Diabetes kann durch gesunde Ernährung, Gewichtsabnahme und verstärkte körperliche Aktivität wesentlich gebessert werden. Reichen derartige Maßnahmen nicht aus, kommen die Einnahme von Tabletten (Antidiabetika) oder eine Insulintherapie in Frage. Oft liegen bei Patienten mit Typ 2 Diabetes auch weitere Herz-Kreislaufrisiken vor (z.B. Übergewicht, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen), die in die Behandlung mit einbezogen werden müssen.

Typ 1 Diabetes Behandlung

Die Behandlung eines Typ 1 Diabetes besteht im Ersatz des fehlenden Insulins. Dies ist durch Injektionen mit Hilfe einer Spritze oder eines sogenannten Pens oder durch kontinuierliches Zuführen des Insulin mit einer Insulinpumpe möglich. Ein Pen ist eine Art besonderer Spritze, die aussieht wie ein etwas größerer Kugelschreiber. Mithilfe des Pens lässt sich die Insulin-Injektion besonders einfach durchführen.

Die erforderliche Insulindosis, die gespritzt werden muss, richtet sich nach dem aktuellen Blutzucker, nach der Menge der aufgenommenen Kohlenhydrate und nach der geplanten körperlichen Bewegung.
Um den richtigen Umgang mit der Insulintherapie zu lernen und generell auch mehr Wissen über den Diabetes zu erlangen, bieten wir für die Patienten in unserer Praxis spezielle Schulungskurse an. Wünschen Sie weitere Informationen zu den Schulungen, dann können Sie sich gerne an unser Praxispersonal wenden oder schauen Sie auf unserer Website unter der Rubrik "Schulungen".

Körperliche Aktivität wirkt sich grundsätzlich günstig auf die Erkrankung aus und ist auf jeden Fall zu empfehlen. Allerdings ist es erforderlich, Diabetestherapie, Ernährung und körperliche Beanspruchung aufeinander abzustimmen.

Insulinarten

Bei der Behandlung mit Insulin kommen zwei verschiedene Insulinarten zum Einsatz:

  • Analog-Insuline – Kurzzeitanalog-Insuline – Langzeitanalog-Insuline
  • Normalinsulin (Synonyme: Kurzzeitinsulin, Bolusinsulin, kurzwirksames Insulin)
  • und
  • Langzeitinsulin (Synonyme: langwirksames Insulin, Basalinsulin, Intermediärinsulin, Verzögerungsinsulin).

Wenn kurzwirksames Insulin unter die Haut gespritzt wird, gelangt es schnell ins Blut und entfaltet hier kurzfristig seine Wirkung auf den Blutzucker. Normalinsulin wird daher eingesetzt, um die nach einer Mahlzeit stark ansteigenden Blutzuckerspiegel rasch abzusenken. Die Wirkdauer von Normalinsulin beschränkt sich auf wenige Stunden. Demgegenüber wirkt Langzeit- oder Verzögerungsinsulin, wie der Name schon sagt, länger als Normalinsulin und wird zur Abdeckung des ständigen Körper-Grundbedarfs an Insulin eingesetzt. Das Insulin ist dabei entweder an eine Trägersubstanz (z. B. Zink, Protamin) gebunden oder es ist gentechnologisch so verändert, dass es nicht sofort, sondern erst allmählich in den Blutkreislauf abgegeben wird.

Beim Mischinsulin sind Kurzzeit- und Langzeitinsulin in unterschiedlichen Anteilen vermischt. Der kurzwirksame Anteil deckt den Mahlzeitenbedarf ab, während das Langzeitinsulin für die Sicherung der Basisversorgung zuständig ist. Mischinsuline werden vor allem für die konventionelle Insulintherapie beim Typ 2 Diabetes eingesetzt. Der Vorteil liegt in der Reduzierung der notwendigen Injektionen. Der Nachteil in der geringeren Flexibilität der Patienten, den starr geregelten Tagesabläufen und Vorgaben, an die sie sich halten müssen.

Sowohl für das kurzwirksame Normalinsulin als auch für das langwirksame Insulin gibt es sogenannte Insulinanaloga. Analog-Insuline sind „Kunstinsuline“ die den in der Natur vorkommenden Insulinen nachgebaut wurden, jedoch nicht mit ihnen identisch sind („analog“ ist griechisch und bedeutet gleichwertig, ähnlich). Insulinanaloga sollen Nachteile bisheriger Insulinpräparate bei der Behandlung des Diabetes mellitus ausgleichen. Dabei geht es vor allem darum eine optimale Blutzuckereinstellung und eine Erleichterung im Alltag zu erreichen. Diese Analog-Insuline besitzen eine besonders schnell einsetzende und auch abklingende Wirkung und sind damit insbesondere auch zur Blutzuckerkorrektur geeignet. Mit Verfahren der Gentechnik ist es also gelungen, das Molekül des Humaninsulins durch Austausch weniger Bausteine so zu verändern, dass der Wirkungsverlauf nach Injektion dem des gesunden Menschen nahe kommt. Für die Insulintherapie bedeutet das: Bei einem Blutzucker im Zielbereich kann gespritzt und sofort gegessen werden. Es ist sogar möglich, erst nach dem Essen zu spritzen, ohne dabei einen überhöhten Blutzucker zu riskieren. Dies ist von Vorteil, wenn bei Kleinkindern, sehr alten Menschen oder auch bei Krankheit nicht absehbar ist, ob und wieviel gegessen wird. Aktuell werden Insulinanaloga mit schnellerer und kürzerer Wirkung sowie solche mit längerer Wirkung eingesetzt.

Die sehr schnell und kurz wirkenden Kurzzeit-Analog-Insuline machen den Blutzucker besser steuerbar als herkömmliches Normalinsulin und sie erlauben einem Diabetiker mehr Freiheiten im Tagesablauf. Die Langzeit-Analog-Insuline verteilen sich gegenüber den bisherigen Verzögerungsinsulinen gleichmäßiger aus dem Fettgewebe und sie haben kein ausgeprägtes Wirkungsmaximum. Wegen ihrer langen Wirkungsdauer kann - vor allem bei Insulin Glargin - nur eine Injektion pro Tag den von Mahlzeiten unabhängigen basalen Insulinbedarf zuverlässig abdecken. Bei kleiner Dosis oder Insulin Detemir sind aber in der Regel zwei Injektionen erforderlich. Für Patienten, die bis viermal täglich ein übliches Verzögerungsinsulin injizieren müssen, wird die basale Insulinversorgung dadurch einfacher. Auch scheint das Risiko nächtlicher Unterzuckerungen bei den Langzeitanalog-Insulinen niedriger zu sein.

Die Vorteile der "modernen" Insuline haben sich im Alltag bereits bei vielen Patienten bewährt. Wegen der zum Teil noch relativ kurzen Zeit seit Markteinführung lassen sich Langzeiteffekte aber noch nicht sicher abschätzen. (vgl. Diabetes-Ratgeber.net)

Bei Typ 1 Diabetikern - und zunehmend auch bei Typ 2 Diabetikern – wird die sogenannte intensivierte konventionelle Insulintherapie (ICT) angewandt. Bei dieser Insulintherapie wird einerseits schnell wirkendes Insulin zu den Mahlzeiten gespritzt (Bolus) und andererseits die Insulin-Grundversorgung per Verzögerungsinsulin (Basis) sichergestellt. Mit diesem Basis-Bolus-Prinzip soll der natürliche Rhythmus der Insulinausschüttung aus der Bauchspeicheldrüse nachgeahmt werden. Das Basisinsulin wird je nach Art meistens einmal am Tag gespritzt, das Bolusinsulin wird zusätzlich zu den Mahlzeiten verabreicht. In der Regel kommt man so auf drei bis vier Insulingaben pro Tag.

Voraussetzung für die ICT ist eine gute Schulung und Motivation des Diabetikers sowie regelmäßige Blutzuckerselbstmessungen. Die ICT erscheint am Anfang aufwendig, wenn man sich aber an die Abläufe gewöhnt hat, dann überwiegen die Vorteile: Durch die Blutzuckerselbstmessung und die Trennung von Basis- und Bolusinsulin kann der Patient Dosis und Zeitpunkt der mahlzeitenbezogenen Injektionen selbst anpassen.

Insulinpumpe

Die Funktion der gesunden Bauchspeicheldrüse kann am besten mit Hilfe einer Insulinpumpe nachgeahmt werden. Hierbei ist ein Insulinreservoir über ein Schlauchsystem mit einer Nadel, die in das Unterhautfettgewebe des Bauches gelegt wird, verbunden. Das hierbei ausschließlich zum Einsatz kommende kurzwirksame Insulin, wird kontinuierlich oder als Bolus durch einen Schlauch über die Nadel in das Unterhautfettgewebe abgegeben.
Für Insulinpumpenträger ist eine besonders intensive Schulung notwendig, denn nicht nur die Insulindosis muss selbstständig genau angepasst werden, sondern auch der korrekte Umgang bei möglichen technischen Defekten der Pumpe muss gelernt sein. Die Insulinpumpe eignet sich vor allem für Diabetiker mit einem unregelmäßigen Lebensrhythmus, wie zum Beispiel Schichtarbeiter.

In unserer Praxis erhalten Sie zu allen Therapieformen eine intensive und qualitative Schulung durch hervorragend geschultes Fachpersonal. Für weitere Informationen stehen wir Ihnen gerne für ein persönliches und vertrauliches Gespräch zur Verfügung.

 

 

Typ 2 Diabetes Behandlung – Umstellung des Lebensstils

Der Typ 2 Diabetes gehört zu den Erkrankungen, die sich durch das eigene Verhalten und den Lebensstil ganz wesentlich beeinflussen lassen. Durch Umstellung des Lebensstils kann der Verlauf der Erkrankung aus eigener Anstrengung heraus positiv verändert und damit die zukünftige Lebensqualität verbessert werden.

Bei übergewichtigen Menschen mit Typ 2 Diabetes stehen mehr körperliche Aktivität und die Umstellung der Ernährung an erster Stelle des Behandlungskonzepts. Bei konsequenter Anwendung führen diese beiden Methoden zu sehr wirksamen Resultaten. Die Gewichtsabnahme sollte jedoch langsam aber stetig erfolgen, denn nur so lässt sich das Körpergewicht – im Gegensatz zu den Radikaldiäten – wirklich und dauerhaft senken. Damit das reduzierte Gewicht gehalten werden kann, ist eine fettarme, ballaststoffreiche und vollwertige Mischkost zu empfehlen. Zusammen mit regelmäßiger Bewegung kann der Erfolg der Ernährungsumstellung noch gesteigert werden, denn körperliche Aktivität wirkt der blutzuckersteigernden Insulinresistenz entgegen.

Wichtig für Typ 2 Diabetiker ist die Teilnahme an speziellen Diabetiker-Schulungen, in denen sie sich umfassend über die Erkrankung, die Therapiemöglichkeiten und das Leben mit Diabetes informieren können. Die Therapie des Typ 2 Diabetes beschränkt sich jedoch nicht nur auf die Normalisierung des Blutzuckers. Vielmehr müssen daneben auch Blutdruck, Blutfette und andere (Organ-)Störungen mitbehandelt werden, um Folgeerkrankungen (zum Beispiel diabetische Neuropathie) zu verhindern.

Tabletten

Erst wenn sich nach drei Monaten keine ausreichenden Erfolge zeigen, sollten zusätzlich blutzuckersenkende Medikamente eingesetzt werden. Dabei stehen verschiedene Tabletten zur Verfügung, die nach unterschiedlichen Wirkprinzipien funktionieren. Es gibt Tabletten, die

  • die Insulinausschüttung in der Bauchspeicheldrüse anregen,
  • die Zuckeraufnahme aus dem Darm verlangsamen,
  • die körpereigene Zuckerherstellung in der Leber und die Zuckerausschüttung aus der Leber hemmen,
  • die Insulinwirksamkeit an den Körperzellen verbessern,
  • die Wirksamkeit der Inkretin-Hormone im Darm steigern oder deren Wirkung nachahmen (Inkretin-Hormone sind körpereigene Regulatoren des Blutzuckers).

Wenn auch mit Tabletten der Blutzuckerspiegel nicht (oder nicht mehr) ausreichend gesenkt werden kann, sollte Insulin verabreicht werden.

Quellen: Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG), Diabetes-Ratgeber.net und DiabetesDE

 

 

Praxisgemeinschaft
Dr. med. Peter Nitsche
Facharzt für Innere Medizin
Diabetologie - Ernährungsmedizin - Sportmedizin

Prof. Dr. med. Wolfgang Wiegelmann
Facharzt für Innere Medizin
Diabetologie - Endokrinologie
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