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Das Metabolisches Syndrom

Das Metabolische Syndrom ist charakterisiert durch die vier entscheidenden Risikofaktoren für koronare Herzkrankheiten: Fettleibigkeit (Übergewicht vor allem im Bauchbereich), Bluthochdruck, Insulinresistenz und Fettstoffwechselstörungen (Dyslipidämie). Auffällig ist, dass die genannten Risiken sehr oft gemeinsam auftreten. Da sie offenbar eng miteinander verknüpft sind und wahrscheinlich sogar eine gemeinsame Ursache haben, werden diese Gesundheitsstörungen unter dem Begriff Metabolisches Syndrom zusammengefasst.
Metabolisch stammt aus dem Griechischen und bedeutet Veränderung; in der Medizin wird der Begriff metabolisch für stoffwechselbedingt verwendet.

Das Metabolische Syndrom entwickelt sich langsam über viele Jahre und gilt als Vorstufe des Typ 2 Diabetes. Alle Merkmale des Metabolischen Syndroms hängen eng mit dem Problem Übergewicht zusammen. Dabei spielt vor allem die übermäßige Fettansammlung im Bauchbereich eine bedeutende Rolle.

Die Erkrankung entwickelt sich aus einem Lebensstil, der durch permanente Überernährung und Bewegungsmangel gekennzeichnet ist und betrifft einen hohen Anteil der in Industriestaaten lebenden Bevölkerung.

Jede einzelne der vier Gesundheitsstörungen erhöht für sich genommen schon das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen und einen Typ-2-Diabetes mit den gefährlichen Folgen eines Herzinfarktes oder Schlaganfalls. Für die Beurteilung des Gesamtrisikos bedeutet das aber, dass sich die Gefahr durch die einzelnen Risikofaktoren nicht nur addiert, sondern multipliziert und sogar potenzieren kann.

Um eine weltweit einheitliche und praxistaugliche Definition für das metabolische Syndrom zu finden, hat sich die International Diabetes Federation (kurz IDF) auf folgende Definition geeinigt:

Ein metabolisches Syndrom liegt vor, wenn der Bauchumfang bei Männern mehr als 94 Zentimetern, bei Frauen mehr als 80 Zentimeter beträgt und mindestens zwei weitere der folgenden Störungen bzw. Bedingungen vorliegen:

  • erhöhte Triglyzeridwerte
    (mindestens 150 mg/dl bzw. 1,7 mmol/l) bzw. eine bereits eingeleitete Behandlung zur Absenkung der Triglyzeride.
  • zu niedriges HDL-Cholesterin
    (Männer weniger als 40 mg/dl bzw. 1,03 mmol/l; Frauen weniger als 50 mg/dl bzw. 1,29 mmol/l) bzw. eine bereits eingeleitete Therapie zur Anhebung des HDL-Cholesterins.
  • Bluthochdruck
    (systolisch mehr als 130 mmHg oder diastolisch mehr als 85 mmHg) bzw. eine bereits behandelte Hypertonie.
  • erhöhte Nüchtern-Blutglukosespiegel
    (mehr als 100 mg/dl bzw. 5,6 mmol/l) oder ein bereits diagnostizierter Typ 2 Diabetes.

Wie mehrere Studien belegen, scheint die Neigung zum Metabolischen Syndrom vererbbar zu sein. Mehr als ein Drittel der Bevölkerung in Deutschland hat diese Erbanlagen, die allein nicht zu den gefürchteten Krankheiten führen. Zum Tragen kommen die einzelnen vererbten Komponenten erst unter dem Einfluss bestimmter Umweltfaktoren, wie zum Beispiel eine unausgewogene und zu kalorienreiche Ernährung sowie mangelnde körperliche Bewegung.

Stichwort: Insulinresistenz

Bei Insulinresistenz kann das lebenswichtige Hormon Insulin seine vielfältigen Wirkungen im Körper nicht mehr richtig entfalten.

Stichwort: Übergewicht

Um einzuschätzen, ob jemand unter-, normal- oder übergewichtig ist, wird üblicherweise der BMI (= Body Mass Index) errechnet. Er gibt das Verhältnis von Körpergewicht zu Körpergröße an.

Definition von Übergewicht gemäß der WHO

 

BMI WHO-Klassifizierung Allgemeiner Sprachgebrauch
unter 18,5 untergewichtig dünn
18,5-24,9 normalgewichtig gesund bzw. normal
25,0 29,9 Übergewicht: Grad 1 übergewichtig
30,0 39,9 Übergewicht: Grad 2 adipös (= fettleibig)
über 40,0 Übergewicht: Grad 3 extrem adipös (= krankhaft dick)

 

So wird der BMI errechnet:
BMI = Körpergewicht [kg]/ Körpergröße [m2]

Ein Rechenbeispiel:
Bei einem Gewicht von 75 kg und einer Größe von 1,78 m ergibt sich der folgende BMI-Wert:

75 kg/ 1,80 * 1,80 = 75 kg/ 3,24 = 23,15 kg/m2 (= Normalgewicht)

Berechnen Sie hier Ihren eigenen BMI:

Stichwort: Fettstoffwechselstörung

Über- oder unterschreiten verschiedene Fette und Fett-Transportformen bestimmte Normalwertbereiche im Blut, kann dies zu erheblichen Schäden an den Gefäßen führen.
Beim Metabolischen Syndrom findet sich meist eine erhöhte Konzentration freier Fettsäuren im Blut. Diese Fettsäuren stammen zu einem großen Teil aus den Fettdepots im Bauchbereich. Die vermehrt freigesetzten Fettsäuren gelangen zur Leber, wo sie zum Aufbau der Triglyzerid-Fette genutzt werden. In zu hoher Konzentration wirken Triglyzeride gefäßschädigend.

Stichwort: Bluthochdruck

Durch den ständig überhöhten Druck in den Blutadern werden die Gefäßwände nachhaltig geschädigt, Gefäßverkalkungen (Arteriosklerose) gefördert und das Herz belastet. Der Bluthochdruck ist ein typisches Merkmal und oft erstes fassbares Zeichen des Metabolischen Syndroms. Darüber hinaus ist der Bluthochdruck einer der wichtigsten Risikofaktoren für die Entstehung von Herz-Kreislauferkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall.

 

Fazit:

Jeder hat weitreichende Möglichkeiten, durch kleine und relativ einfache Änderungen des Lebensstils die einzelnen Komponenten des Metabolischen Syndroms in den Griff zu bekommen oder gar Risikofaktoren auszuschalten.

a) Umstellung der Ernährung
  • Die Nahrung sollte weitgehend fettarm, kohlenhydrat- und ballaststoffreich sein. Empfohlene Nährstoffrelation: Kohlenhydrate 50-55 Prozent, Fett 30 Prozent, Eiweiß 15-20 Prozent.
  • Kohlenhydrate mit hohem Ballaststoffanteil sind zu bevorzugen.
  • Zuckeranteil an der Gesamtkalorienmenge: < zehn Prozent.
  • Relation der Nahrungsfette: Der Anteil gesättigter / einfach ungesättigter / mehrfach ungesättigter Fettsäuren sollte 1 / 1 / 1 betragen.
  • Einschränkung der Kochsalzzufuhr auf < sechs g/Tag.
  • Verringerung der täglichen Alkoholmenge auf < 30 g/Tag (Männer) bzw. < 15 g/Tag (Frauen).
b) Regelmäßige körperliche Aktivität

Wer regelmäßig körperlich aktiv ist, hat ein deutlich geringeres Risiko für das Metabolische Syndrom, Typ 2 Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen. Entsprechend seltener sind auch gefürchtete Folgen wie Herzinfarkt und Schlaganfall.

Welche Art der körperlichen Aktivität gewählt wird, ist von untergeordneter Bedeutung und sollte an die individuellen Vorlieben angepasst werden. Generell geht man davon aus, dass Ausdauersportarten besonders günstig sind, da bereits ein körperliches Ausdauertraining mittlerer Intensität die gefährlichen Fettdepots im Bauchbereich zum Schmelzen bringt.

c) Entspannung

Anhaltender Stress bringt unser Gehirn und unser Nervensystem dazu, Substanzen herzustellen und auszuschütten, die den Stoffwechsel verschlechtern und den Blutdruck erhöhen. Wer ständig unter Strom steht und Situationen ausgesetzt ist, die mit erheblichem negativen Stress verbunden sind (negativer Stress = Anspannung, die als belastend empfunden wird), sollte sich nach Gelegenheiten zum Stressabbau umsehen (Beispiele: autogenes Training, progressive Muskelentspannung, Yoga, Tai Chi)

d) Weniger oder besser gar nicht mehr Rauchen

Rauchen schädigt nicht nur Bronchien, Lungen und Gefäße, sondern fördert auch die Insulinresistenz, das als eine der Hauptkomponenten des Metabolischen Syndroms gilt. Darüber hinaus verengt und schädigt Nikotin die Blutgefäße. Dies kann dazu führen, dass verschiedene Körperregionen nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff, Nährstoffen und Energie versorgt werden.

Quelle: Diabetes-Leitlinien der DDG, International Diabetes Federation

 

 

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